Am Donnerstag, den 27.08.2009 trafen sich die ehrenamtlich tätigen Ärzte der Caritas – Straßenambulanz und Gäste der Malteser Migranten Medizin, des Kontaktladens Mecki und der Unterkunft Schulenburger Landstraße zum gesundheitspolitischen Gespräch mit MdB Dr. Maria Flachsbarth, MdB Rita Pawelski und dem CDU-Fraktionsvorsitzenden in der Region, Eberhard Wicke.
Unter der Moderation von Dr. Birgit Niebler, Ärztekammer Niedersachsen, wurden aktuelle Probleme der medizinischen Versorgung Wohnungsloser und von Armut betroffener Menschen diskutiert.
Praxisgebühren, die in Niedersachsen bisher nur von der AOK für Wohnungslose übernommen werden, Rezeptgebühren, ein fehlendes Sozialticket für die Fahrt zum Arzt und viele bürokratische Hürden seien immer häufiger der Grund, warum immer mehr Menschen die kostenlosen niedrigschwelligen Angebote der Wohlfahrtsverbände aufsuchen, so die Anwesenden.
Nicht nur Wohnungslose, Menschen ohne Aufenthaltsstatus, Hartz IV Empfänger, psychisch Kranke suchen Hilfe bei der Straßenambulanz, sonder auch vermehrt junge Menschen.
Die anwesenden Ärzte und Sozialarbeiter betonten, dass immer mehr Menschen durch das vorhandene Gesundheitssystem fallen und in einen Armutskreislauf geraten, der nur schwer zu durchbrechen sei.
Sie warben im Gespräch mit den Politikerinnen
- Für die Übernahme der Praxisgebühr für Wohnungslose durch alle Kassen
- Für den Ausbau niedrigschwelliger Beratungs- und Behandlungsangebote
- Für Verbesserungen in der psychiatrischen Versorgung von Wohnungslosen und Migranten
- Für eine Anhebung des Betreuungsschlüssels in Wohnheime für Obdachlose und Flüchtlinge
- Für die Abschaffung der Strafbarkeit bei der Behandlung sogenannter „Illegaler“
- Für die Einführung eines „Anonymen Krankenscheins“
- Für Verbesserungen in der Versorgung von EU-Bürgern ohne Krankenschein
- Für Verbesserungen bei der Versorgung Haftentlassener
- Für Verbesserungen der aufenthaltsrechtlichen Situation langjährig geduldeter Asylbewerber
- Für die Einrichtung eines „Notfallfonds“
Hans Grote, Internist und seit 2003 ehrenamtlich tätiger Arzt bei der Straßenambulanz stellte zum Abschluss des Gesprächs die Frage, ob der Staat bei der Vielzahl der Bedarfe und der steigenden Anzahl von Menschen, die ohne Krankenversicherung leben, nicht stärker als bisher in der Pflicht wäre, die Situation der Menschen zu erkennen und zu verbessern. „Dies kann nicht zunehmend Aufgabe der Wohlfahrt und Aufgabe von ehrenamtlich Tätigen sein“, so Grote.
Maria Flachsbarth und Rita Pawelski zeigten sich angesichts der vorgetragenen Problemlagen sichtlich betroffen und erstaunt hinsichtlich der Tatsache, dass es trotz der bestehenden Krankenversicherungspflicht in Deutschland so viele Personengruppen gibt, die keinen Zugang zum deutschen Gesundheitssystem finden.
Sie versprachen den Anwesenden, sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten für Verbesserungen einzusetzen und die Situation Wohnungsloser und von Armut betroffener Menschen stärker in den Blick zu nehmen. |