Förderprojekt

Integration

Kinder begleiten in Linden-Nord

Kinder begleiten im Spielhaus HannoverKinder begleiten im Spielhaus HannoverRobert Kneschke - fotolia.com

Die integrative Einrichtung gibt den Kindern Raum, den sie oftmals zu Hause nicht haben, fördert ihre Entwicklung und ein gesundes Aufwachsen. Die Arbeit mit den Eltern gehört dazu.

Täglich besuchen ca. 50 Kinder aus 20 verschiedenen Nationen das Spielhaus. Die Kinder entstammen überwiegend Familien mit Migrationshintergrund und kommen vielfach aus sozial schwachen,  kinderreichen und Eineltern-Familien.

Eine Erzieherin leitet die Einrichtung und ist in Vollzeit für die Kinder da. Mit einer festangestellten Sozialassistentin steht den Kindern jetzt eine weitere sichere Bezugsperson zur Verfügung. Dadurch wird die Einrichtung zu einer verlässlichen Anlaufstelle mit durchgängigen Öffnungszeiten - die Grundlage für eine vertrauensvolle und tragfähige Förderung der Kinder. Ein unerwartet verschlossenes Spielhaus kann zu einem Vertrauensbruch und zu großer Enttäuschung führen. 

Mehrere ehrenamtlich Mitarbeitende und Praktikanten unterstützen das Team und die Angebote der Einrichtung.

Die zweite Fachkraft ermöglicht zusätzliche Angebote, die gezielt die Persönlichkeit der Kinder stärken, insbesondere durch Beobachtungs- und Biografiearbeit.

Beobachten und Biografiearbeit als fachliche Grundlage

Farbige Fassade des Spielahauses

Das gezielte Beobachten jeweils eines Kindes nach dem Early-Excellence-Ansatz (EEC) sieht eine Reihe von Beobachtungen im Wechsel mit anderen pädagogischen Fachkräften vor, innerhalb derer Stärken, Interessen und persönliche Handlungsmuster des Kindes entdeckt werden. Das Ergebnis der Beobachtungen wird mit den kooperierenden Fachkräften reflektiert und bietet die Grundlage für ein auf das Kind individuell zugeschnittenes Angebot.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Biografiearbeit. In kleinen Gruppen oder begleiteter Einzelarbeit regen die Pädagogen die Kinder dazu an, die eigene Herkunft und Familie mithilfe kreativer und gestaltender Methoden zu erfassen und in verschiedene Ausdrucksformen zu bringen. Währenddessen steht jedem einzelnen Kind Raum zur Verfügung, in dem es mit den Fachkräften und anderen Kindern sprechen kann.

Besonders relevant ist diese Arbeit für Kinder, die sich nicht bewusst sind, wer alles zu ihrer Familie gehört oder wo ihre Herkunftsländer liegen und wie diese sie geprägt haben. Viele von ihnen finden keine zufriedenstellende Rolle in ihren Klassen- und Familiensystemen und leben orientierungslos und mit dem Gefühl, keinen Rückhalt zu haben. Ein mit positivem Blick ausgerichtetes "Entdecken" der eigenen Familie und Lebenszusammenhänge und ein damit einhergehendes Differenzieren zwischen "mir" und "meiner Umwelt" fördern das Finden und Entwickeln der eigenen Identität und Persönlichkeit.

Diese methodischen Ansätze sind ressourcenorientiert, geben dem jeweiligen Kind eine Zeit, in der es die volle Aufmerksamkeit einer Bezugsperson erhält, die sich ihm wohlwollend und wertschätzend widmet und bieten eine gute Grundlage für den Kontaktaufbau zu den Eltern.

Kinder brauchen Zeit

Kinder rösten Stockbrot im Kreis

Kinder, deren Eltern keine Zeit oder kein Interesse für sie haben, oder sich in einem Zustand befinden, der einen erfolgreichen Beziehungsaufbau oder -erhalt unmöglich macht, erfahren keine Unterstützung in für sie relevanten Angelegenheiten, weder bei persönlichen Schwierigkeiten im Umgang mit anderen, noch in schulischen Fragen. Sie brauchen einen sicheren und verlässlichen Bezugsrahmen, in dem sie sich entwickeln können.

Ins Spielhaus kommen häufig Kinder, die in Haushalten mit überforderten, häufig alleinerziehenden oder sich in der Trennung befindenden, zum Teil auch psychisch kranken oder labilen Müttern auwachsen. Manche Kinder sind erst vor kurzem nach Deutschland gezogen und sprechen noch kein Deutsch. Einige von ihnen kommen sogar aus Kriegs- und Krisengebieten und sind traumatisiert. Viele Kinder müssen sich die elterliche Aufmerksamkeit mit drei bis sieben Geschwistern teilen und haben innerhalb ihrer Wohnungen keinen eigenen Raum. Es gibt Kinder, die von klein auf in die Pflicht genommen wurden, auf ihre Geschwister aufzupassen und eigene Bedürfnisse zurückstellen mussten. Sie alle hatten bislang keine Zeit, Kind zu sein.

Wieder andere Kinder sind in ihre eigene Familie gar nicht richtig integriert und haben zum Teil nicht einmal die Möglichkeit, nachmittags nach Hause zu kommen, sondern überbrücken die Zeit auf Spielplätzen im Stadtteil oder, ohne dort willkommen zu sein, bei Verwandten. Kinder mit psychisch kranken oder alkoholabhängigen Eltern werden vernachlässigt oder sogar einfach vergessen, in jedem Fall aber nicht angemessen wahrgenommen. 

Teils durch das Erleben von Gewalt innerhalb ihrer Familie, teils aufgrund der mangelnden Frustrationstoleranz und teils aus einer generellen Wut heraus, tendieren viele Kinder, die das Spielhaus besuchen, immer wieder zu Aggressionen und körperlicher Gewalt. Weitere Verhaltensauffälligkeiten zeigen sich in Form von Konzentrationsschwäche, mangelhafter schulischer Leistungen trotz intellektueller/kognitiver Fähigkeit, Isolation und Alleinspielen trotz des Wunsches am Spiel der anderen teilzunehmen und der Unfähigkeit sich in einer Umgebung angemessen zu verhalten (z. B. leise sein, während ein anderer vorliest, usw.). Die Kinder im Spielhaus sind aber auch lebendig, neugierig, fröhlich und wissbegierig. Sie brauchen nur Zeit. Für sie ist jede Minute wichtig, die mit Interesse und Zuwendung gefüllt ist.

Ziele - für die Zukunft der Kinder

  • die Verbesserung schulischer Leistungen
  • zunehmende Sicherheit im Gebrauch der deutschen Sprache und im Ausdrucksvermögen
  • eine Verbesserung des Sozialverhaltens
  • die Verringerung der Anfälligkeit für Alkohol- oder Drogenkonsum und
  • eine Stärkung der seelischen und körperlichen Gesundheit

Links

Linden-Nord und -Süd

Integration für Kinder

Kinder entlasten und integrieren